Prompting

KI versteht deinen Prompt falsch? Lass dir erst den Plan zeigen

Michael Hollmann17. September 20263 Min. Lesezeit

Du tippst eine Anfrage, schnell, zwischen zwei Terminen. Die KI antwortet sofort. Der Text klingt gut, ist sauber formuliert und geht trotzdem am Ziel vorbei. Also erklärst du nach, sie schreibt alles neu, und nach dem dritten Anlauf wärst du allein schneller gewesen.

Das liegt selten an der KI. Sie füllt die Lücken in deiner Anfrage mit Annahmen. Nur zeigt sie dir diese Annahmen nicht, sondern baut gleich das ganze Ergebnis darauf.

Die Technik: erst der Plan, dann das Ergebnis

Häng an deine Anfrage einen kurzen Zusatz, der die KI bremst. Sie soll zuerst sagen, was sie verstanden hat, und dir ihr Vorgehen vorschlagen. Loslegen darf sie erst, wenn du zustimmst.

Lies zuerst meine komplette Nachricht und alle Anhänge, auch wenn alles unsortiert ist. Beschreib mir in zwei, drei Sätzen, was ich deiner Meinung nach erreichen will, und schlag mir dein Vorgehen vor. Fang erst an, wenn ich zustimme.

Ein Beispiel aus dem Kundenservice. Du schreibst: „Hilf mir bei der Antwort auf diese Reklamation. Die Lieferung kam zwei Tage zu spät. Freundlich und kurz."

Ohne Zusatz bekommst du vielleicht eine nette Mail mit Entschuldigung und zehn Prozent Rabatt. Nur darfst du gar keine Rabatte zusagen. Das entscheidet bei euch der Vertrieb.

Mit Zusatz antwortet die KI zuerst so:

Du willst dich entschuldigen und den Kunden mit einem Preisnachlass versöhnen. Ich entwerfe eine kurze Mail mit Entschuldigung und Rabattangebot.

Jetzt siehst du die falsche Annahme, bevor sie in einer fertigen Mail steckt. Du korrigierst mit einem Satz:

Keine Zugeständnisse, darüber entscheidet der Vertrieb. Ich will erklären, woran die Verzögerung lag, und den neuen Liefertermin bestätigen.

Die Mail, die danach kommt, passt.

Schritt für Schritt

  1. Schreib deine Anfrage so auf, wie sie dir einfällt. Stichpunkte oder diktierter Text reichen.
  2. Kopier den Zusatz ans Ende und schick beides zusammen ab.
  3. Lies, was die KI verstanden hat: Stimmt das Ziel? Fehlt eine Vorgabe, die nur du kennst?
  4. Korrigier mit einem Satz, was nicht passt. Oft reicht „Nein, eigentlich will ich …".
  5. Gib den Plan frei, zum Beispiel mit „Passt, leg los."

Damit du den Zusatz nicht jedes Mal suchen musst, leg ihn in eine Notiz, die du ohnehin offen hast.

Warum das funktioniert

Jede Anfrage lässt Dinge offen, die für dich selbstverständlich sind. Die KI muss diese Lücken füllen, ob du willst oder nicht. Der Zusatz macht ihre Annahmen sichtbar, solange sie noch in zwei Sätzen stehen. Einen Satz zu korrigieren kostet Sekunden, eine fertige Seite umzuschreiben kostet Minuten.

Stolperfallen

  • Nicht durchwinken: Der Zusatz hilft nur, wenn du die Zusammenfassung wirklich liest. Wer reflexhaft „passt" schreibt, gewinnt nichts.
  • Nur im Chat: Die Technik braucht ein Hin und Her. Funktionen, die auf Knopfdruck sofort einen fertigen Entwurf erzeugen, lassen keine Rückfrage zu.
  • Kleine Aufgaben brauchen das nicht: Für eine kurze Übersetzung ist der Zwischenschritt ein Umweg. Er lohnt sich bei längeren, unsortierten Anfragen.
  • Datenschutz: Kundennamen, Bestellnummern und interne Details gehören nur in KI-Werkzeuge, die dein Unternehmen freigegeben hat. Sonst nimmst du Platzhalter wie „Kunde A".

Viele schlechte KI-Antworten sind in Wahrheit gute Antworten auf eine missverstandene Frage. Wenn du solche Techniken mit deinem Team gezielt üben willst, findest du unter Qualifizieren die passenden Trainings.

Newsletter

Jede Woche ein KI-Impuls

Klartext-KI für den Mittelstand — jeden Dienstag. Jederzeit abbestellbar.

Mit der Anmeldung akzeptierst du die Datenschutzerklärung. Versand über Brevo (EU), Double-Opt-In.

Bereit für den nächsten Schritt?

30 Minuten Erstgespräch. Kostenlos. Sie wissen danach, was Ihr nächster Schritt ist.