Prompting

Daten visualisieren: Mach mir ein Dashboard daraus

Michael Hollmann7. September 20263 Min. Lesezeit

Du hast eine Auswertung gemacht. Umsätze nach Region, Fehlerquoten pro Linie, Antwortzeiten im Support — die KI hat gerechnet, verglichen, sortiert, und am Ende steht eine lange Antwort mit Tabellen und Zwischenergebnissen. Fachlich richtig. Nur kannst du das so niemandem zeigen. Also fängst du an, die Zahlen in eine Präsentation zu übertragen, und verlierst dabei eine halbe Stunde.

Die Technik

Stell nach der Auswertung genau einen Satz nach:

Mach mir ein Dashboard daraus.

Mehr nicht. Keine Formatvorgaben, keine Farbwünsche, keine Angabe, welche Diagrammart du willst. Du bekommst eine eigenständige, interaktive Ansicht: Kennzahlen oben, Aufschlüsselungen darunter, Diagramme, durch die du klicken kannst, oft mit Filtern oder Reitern.

Wichtig vorweg: Das setzt ein Werkzeug voraus, das interaktive Ergebnisse erzeugen kann — bei Claude sind das Artefakte, bei ChatGPT der Canvas. In der Chat-Oberfläche von Microsoft Copilot bekommst du diesen Schritt derzeit nicht, dort endet es bei einem einzelnen Diagramm.

Der Satz funktioniert übrigens nicht nur bei Zahlen. Wenn du einen komplizierten Sachverhalt durchgearbeitet hast — einen Genehmigungsweg, eine Vertragsstruktur, die Abhängigkeiten in einem Projekt —, führt dieselbe Aufforderung zu einer begehbaren Übersicht statt zu drei Seiten Text. Für alles, was du sonst jemandem am Whiteboard erklären würdest, ist das der schnellere Weg.

Schritt für Schritt

  1. Mach die Auswertung zuerst vollständig fertig. Das Dashboard zeigt nur, was im Gespräch schon steht.
  2. Schick den Satz: Mach mir ein Dashboard daraus.
  3. Schärf in einem zweiten Satz nach, für wen es ist: „für die Geschäftsführung, die daraus eine Entscheidung ableiten soll" führt zu einer anderen Ansicht als „für das Team, das damit arbeitet".
  4. Prüf zwei, drei Zahlen gegen deine Ausgangsdaten — vor allem die Summen.
  5. Erst dann teilen.

Warum das funktioniert

„Dashboard" ist kein Wunsch, sondern eine Formatanweisung mit viel Inhalt. Das Wort trägt eine Konvention: die wichtigsten Kennzahlen zuerst, dann die Aufschlüsselung, dann der Vergleich — und alles auf einen Blick statt in Fließtext. Sprachmodelle haben Zehntausende solcher Ansichten gesehen. Du musst die Konvention nicht beschreiben, du musst sie nur aufrufen.

Genau deshalb funktioniert der kurze Satz oft besser als eine detaillierte Anweisung: Je genauer du das Layout vorgibst, desto mehr zwingst du das Modell aus einer eingespielten Form heraus.

Wenn dein Werkzeug das nicht kann

Bleib nicht beim Diagramm stehen. Formulier stattdessen:

Bau mir daraus eine einzelne HTML-Datei, die ich im Browser öffnen kann.

Das liefert dir in den meisten Werkzeugen dieselbe Ansicht — nur als Datei zum Herunterladen statt eingebettet im Chat. Öffnen im Browser, per Screenshot in die Präsentation, fertig. Umständlicher, aber du kommst zum selben Ergebnis.

Stolperfallen

  • Ein Dashboard ist eine Momentaufnahme, kein Bericht. Es zieht sich keine neuen Daten und aktualisiert sich nicht. Bei nächster Gelegenheit baust du es neu.
  • Zahlen können auf dem Weg kippen. Beim Übertragen in die Ansicht wird gerundet, zusammengefasst, gelegentlich auch falsch übernommen. Die Stichprobe aus Schritt 4 ist nicht optional.
  • Wenn du es veröffentlichst, veröffentlichst du die Daten mit. Ein geteiltes Artefakt ist über den Link erreichbar. Für Umsätze, Personal- oder Kundendaten heißt das: vorher anonymisieren oder gar nicht teilen.
  • Schön heißt nicht belastbar. Eine gute Ansicht wirkt überzeugender als eine Tabelle — auch dann, wenn die Datenbasis dünn ist. Sag dazu, worauf sie beruht.

Wenn du solche Handgriffe systematisch aufbauen willst, statt sie einzeln zu sammeln: Genau darum geht es beim Qualifizieren.

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